Veranstaltungsreihe: Wi(e)der das Vergessen

Wi(e)der das Vergessen!

Wieder das vergessen? 70 Jahre nach dem Sieg über das nationalsozialistische Deutschland zeigt sich der geläuterte “Aufarbeitungsweltmeister” wieder in Gedenkpose. Für die Antisemiten, die sich nicht mehr so nennen möchten, ist die Erinnerung immer noch eine Subversion ihrer Schlussstrichforderung. Generell scheint sich aber im heutigen Postnazismus eine Erinnerungskultur etabliert zu haben, die mehr Gedenkroutine und Erinnerungsrhetorik ist als eine konsequente Aufarbeitung der Vergangenheit. So wird eifrig um die toten Jüdinnen und Juden getrauert, während die Lebenden weiterhin betroffen sind von antisemitischem Wahn und Gewalt. Der Antisemitismus trotzt aller Antisemitismusforschung und “Erinnerungspolitik”. Ideologisch ist er fester Bestandteil des gesellschaftlichen Alltags: als “klassisch”-moderner und sekundärer Antisemitismus, Antizionismus, als vermeintliche Kapitalismuskritik und Verschwörungstheorie.

Wider das Vergessen! Aus einer Aufarbeitung der Vergangenheit müssen jedoch Konsequenzen zur Bekämpfung des aktuellen Antisemitismus und seiner Ursachen gezogen werden. Nichts anderes meinte Adorno, als er sagte, dass die Vergangenheit erst dann aufgearbeitet wäre, “wenn die Ursachen des Vergangenen beseitigt wären”. Wir möchten mit unserer Veranstaltungsreihe “Erinnerungspolitiken” thematisieren und verschiedene Elemente des Antisemitismus analysieren.

 

Von der friedfertigen Antisemitin zur queer-theoretischen Post-Zionistin (Vortrag von Ljiljana Radonic)

13.05 | 19 Uhr | Uni Hannover Hauptgebäude F128

Jahrzehntelang hat die „neue Frauenbewegung“ ein positives Bild von „der Frau“ im NS gezeichnet, was nicht selten zu einer den Holocaust verharmlosenden Argumentation führt(e). Entgegen der Tatsache, dass Frauen als KZ-Aufseherinnen, Fürsorgerinnen oder Denunziantinnen an der antisemitischen Ausgrenzung und Vernichtung von Jüdinnen und Juden begeistert mitwirkten, wurden sie in feministischen Schriften oft als auf die Mutterrolle reduzierte „Gebärmaschinen“ dargestellt – ein feministischer Fall von Täter(innen)-Opfer-Umkehr.
Ist diesem feministischen Opfermythos seine Grundlage entzogen, lässt sich auf Basis einer kritischen Theorie des Antisemitismus die Frage stellen, ob der Antisemitismus bei Frauen und Männern die gleichen Bedürfnisse befriedigt oder ob entsprechend der von der Psychoanalyse beschriebenen weiblichen Subjektentwicklung und der verschiedenen Geschlechterrollen unterschiedliche Inhalte projiziert werden.
Wenn ferner Matriarchatsforscherinnen dem Judentum und seinem historischen „Ausmordungsprogramm“ die Schuld an der Zerstörung des Matriarchats geben und es als besonders patriarchale Religion imaginieren, muss von einem spezifisch feministischen Antisemitismus gesprochen werden, der für jüdische Feministinnen keinen Platz lässt. Der Bogen reicht bis Judith Butler, die nicht mehr vom „alten Israel“ spricht, sondern alles Schlechte im heutigen, rassistischen, vom Siedlerkolonialismus und Reinheitsvorstellungen geprägten, auf Vertreibung basierenden, illegitimen Staat Israel verortet, der aufgrund anhaltender „Deportationen“ und des „konzentrierenden Kolonialismus“ ebenfalls selbst schuld an der ihm drohenden Zerstörung sei.

 

Alle Veranstaltungen im Überblick:

13.05 | Ljiljana Radonic: Von der friedfertigen Antisemitin zur queer-theoretischen Post-Zionistin – 19 Uhr, Uni Hauptgebäude F128

20.05 | Ingo Elbe: “Portrait des Antisemiten“ – Jean-Paul Sartres und Erich Fromms Beiträge zur kritischen Antisemitismustheorie – 19 Uhr, Uni Hauptgebäude F128

27.05 | trans*geniale fantifa: Vom Ghetto in die Wälder (Jüdischer Widerstand gegen Nationalsozialismus und deutsche Besatzung) – 20 Uhr, UJZ Korn

28.05 | Felix Riedel: „Gefälschte Geschichte – Die Psychoanalyse des Antisemitismus“ – 19 Uhr, Uni Hauptgebäude F128

03.06 | Marc Schwietring: Buchvorstellung: “Holocaust-Industrie” und Vergangenheitspolitik.
Norman G. Finkelstein und die Normalisierung des sekundären Antisemitismus in Deutschland -| 19 Uhr, Uni Hauptgebäude F128

04.06 | Carolin Mothes & Sebastian Mohr: Aktueller Antisemitismus in Europa – 18:30 Uhr, Warenannahme

14.06 | Wi(e)der das Vergessen! Stadtrundgang durch Hannover Linden – 14 Uhr, Treffpunkt
Schwarzer Bär

 

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Umfrage: Bike-Sharing an der Uni Hannover

Der AStA möchte die Mobilität der Studierenden mit einem Fahrradverleihsystem (Bike-Sharing) erweitern. Beim Bike-Sharing werden feste Stationen in der Stadt/an der Uni eingerichtet, an denen mehrere Fahrräder stehen, die ausgeliehen werden können. Die Umfrage wird dem Studentischen Rat als Entscheidungshilfe dienen, ob er ein Bike-Sharing-System für die Uni Hannover umsetzt.

Hier ist der Link zur Umfrage. Um an der Umfrage teilzunehmen, müsst ihr in Stud.IP eingeloggt sein!

Beim Bike-Sharing werden feste Stationen in der Stadt/an der Uni eingerichtet, an denen mehrere Fahrräder stehen, die ausgeliehen werden können. Mit dem Fahrrad fährt man zur nächsten gewünschten Station und gibt es wieder ab. Wir setzen uns für ein Fahrradverleihsystem ein, mit Stationen an den wichtigsten Uni-Standorten (z.B. Conti-Campus, Hauptmensa, ,…), am Hauptbahnhof und weiteren Standorten in der Stadt (z.B. Küchengarten, Lister Platz und Maschsee,…).

Studierende hätten den Vorteil, dass sie nach einer Registrierung die Fahrräder für 30 min (pro Buchung) kostenlos nutzen könnten, danach fallen Nutzungsgebühren an. Innerhalb von 30 min ist die Strecke zwischen zwei Stationen problemlos zurücklegbar. Ein weiterer Vorteil: In allen Städten, in denen das jeweilige Unternehmen Bike-Sharing anbietet, können die Räder ebenfalls kostenlos genutzt werden.

Ein Angebot mit 21 Standorten (pro Standort ca. 10 Fahrräder) in der Stadt würde bei rund 2,00 Euro pro Studierenden/Semester betragen. Je nach Ausbau des Systems erhöht sich der Preis, z.B. auf 2,50 Euro pro Studierenden/Semester bei 27 Standorten. Ein größer ausgebautes System hat den Vorteil, dass mehr Fahrräder (evtl. auch Lastenfahrräder) und Standorte verfügbar sind. Die Umfrage wird dem Studentischen Rat als Entscheidungshilfe dienen, ob er ein Bike-Sharing-System für die Uni Hannover umsetzt.

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