Veranstaltungshinweis: Der Antisemitismus der Linken

Klaus Rozsa und Wolfgang Seibert zwischen Abkehr, kritischer Distanz und Aktivismus.

Am 8. Dezember 2014 um 20 Uhr in der Sturmglocke, Klaus-Müller-Kilian-Weg 1, Hannover.

Als im Juli dieses Jahres der Konflikt zwischen Israel und der Hamas erneut aufflammte, sorgte das weltweit für Diskussionen. Überraschend ist das nicht, denn nicht selten vermischt sich die Kritik an der israelischen Politik mit antisemitischen Ressentiments. Das aktuelle Vorgehen steht schnell nicht mehr im Fokus, sondern fungiert nur noch als Aufhänger. Auch auf vielen der recht zahlreich begangenen anti-israelischen Demonstrationen trug sich genau das zu. Was hierzulande darauf folgte, war eine öffentliche Diskussion über die Tragweite und Bedeutung des Antisemitismus in der BRD. Die Einschätzungen darüber, ob die Ereignisse Ausdruck einer neuen Qualität und Quantität des Antisemitismus seien, gehen weit auseinander. Ebenso wird kontrovers darüber debattiert, ob es sich um einen „neuen Antisemitismus“ handele, der vor allem den muslimischen Communities zuzurechnen sei. Strittig ist weiterhin, ob auf antisemitische Zwischenfälle dann besonders vehement reagiert wird, wenn er einem (post)migrantischen und islamischen Teil der Gesellschaft zugerechnet wird. Diese Veranstaltung will einen Beitrag zu einer Debatte liefern, die sich eindeutigen Polarisierungen entzieht und stattdessen Anregungen gibt, sich auf die Komplexität der Verhältnisse einzulassen. Dabei soll der Schwerpunkt auf der Betrachtung vergangener und aktueller Positionen linker Personen und Gruppen liegen, die ebenfalls immer wieder als Akteur_innen im Diskurs erscheinen.

Aus zwei biographischen Perspektiven wird sowohl die Konfrontation mit unterschiedlichen Formen von Antisemitismus, als auch der Umgang mit selbigen beschrieben; insbesondere auch innerhalb eines sich als antifaschistisch begreifenden Spektrums.

Klaus Rozsa (59) und Wolfgang Seibert (66) sind beide Juden, beide waren bzw. sind linke Aktivisten und Journalisten. Nachdem Wolfgang Seibert sich bereits aufgrund des antiisraelischen Umschwungs der Neuen Linken rund um 1968 enttäuscht abwendet, beginnt die jahrzehntelange linke, antiimperialistische Karriere Klaus Rozsas in der Schweiz. Erst in den 1990er Jahren wendet er sich entschieden von der linken Unterstützung der Befreiungsbewegungen ab. Ihm wird bewusst, welch fatale Fehler jahrzehntelang gemacht wurden, die Flugzeugentführung von Entebbe erinnert ihn nun an Auschwitz. Ein späteres Gespräch mit seinem Vater, der Auschwitz und Dachau überlebt hat, ist einer der Auslöser für seinen Umschwung. Inzwischen lebt er in seinem Geburtsland Ungarn und fühlt sich seinen Aussagen nach hier als linker Jude wesentlich wohler. Wolfgang Seibert hat vor wenigen Jahren wieder Vertrauen in die Linke gefunden. Damals stellte er durch einen Zufall fest, dass es inzwischen eine radikale Linke gibt, die Israel nicht feindlich gesonnen ist. Seit 2003 ist er Vorstand der Jüdischen Gemeinde Pinneberg und engagiert sich dort unter anderem gegen Neonazis.