Laudatio zur Vergabe des Preises für exzellente Lehre

…an der Leibniz Universität Hannover während des Neujahrsempfang der Universität am 09.01.2015
Die Laudatio hielt Tamara Bieberstein, Fachrat Pflanzen- und Biotechnologie.


Der 7. Preis für exzellente Lehre geht an Prof. Christian Werthmann. Ich möchte ihn ganz herzlich dazu beglückwünschen. Mit der Auszeichnung sollen vor allem folgende Aspekte gewürdigt werden.

Er ist ein sehr engagierter und fairer Lehrender, steht im ständigen Kontakt mit den Studierenden und ist offen für ihre verschiedensten Anliegen. Auch formuliert er seine Leistungsanforderungen klar und transparent. Vor allem aber ist es ihm wichtig, die Studierenden auf ihr späteres Berufsleben vorzubereiten und ihnen Horizonte zu eröffnen und zu erweitern. Dies spiegelt sich in den verschiedensten, von ihm unterstützten Projekten wieder. So hat er neben Exkursionen nach Barcelona und Paris auch ein, von Studierenden selbst initiiertes, Projekt unterstützt, dass auch eine Reise nach Sao Paulo/ Brasilien beinhaltete. Interdisziplinäres Arbeiten ins Studium zu bringen, wie das Zusammenwirken von Bereichen der Architektur, Städteplanung, Umweltplanung oder auch der Ingenieurbiologie,in den Vordergrund zu stellen, sind bei ihm üblich. Auch wird durch ihn die Teamfähigkeit seiner Studierenden gefördert, indem er viel in Gruppenarbeiten arbeiten lässt und den Austausch der Studierenden untereinander vorantreibt. Weitere Vorbereitungen auf den Arbeitsalltag geschehen durch Vorlesungen in englischer Sprache sowie durch das Einbeziehen von nationalen und internationalen Gastdozierenden.

Exzellente Lehre – ein großer Begriff! – Doch was verbirgt sich hinter ihm? Kritik und Reflektion? – Interaktion? – Persönlichkeit?
Zur Beantwortung dieser Fragen hat ein Vorgänger von Prof Christian Werthmann, Dr. Mark Feuerle, einen Vortrag gehalten, der den Ursprung der Universität als ein Ideal der Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden betrachtet, als Kommiliton_innen. Zitat:
„– also Mitstreiter –, ein Wort, das noch genutzt, dessen eigentlicher Geist aber oft vergessen wird. Viele Dozenten wissen gar nicht mehr, dass sich das Wort Commilitonen auch auf sie selbst bezieht.“ – Zitat ende. Hierin aber begründet sich Feuerle zu Folge der bis heute an der Uni übliche Verzicht auf alle akademischen Grade bei der Anrede.
Das Gemeinsame fand seinen Niederschlag unter anderem in der Mensa beim gemeinsamen Essen – oder dem gemeinsamen Kneipenabend, wie er machmal noch in der Destille gepflegt wird – oder auch in den c.t./s.t.-Regelungen. Aber das können Sie selbst nachlesen. Der Vortrag ist auf der Unihomepage veröffentlicht worden und per Google auch leicht zu finden.
Herrn Wertmann gingen 6 andere Preisträger und Preisträgerinnen voraus. Den Blick in die Methoden und Praxen, die bei den sieben gewürdigt wurden, möchte ich Ihnen nicht vorenthalten.

Da finden wir zum einen:
· Besondere Förderung des Studienerfolgs der Studierenden durch vielfältige Maßnahmen wie Selbsteinschätzungstests, Schlüsselkompetenzen, Tutorenschulung
· Einsatz vielfältiger Medien und Entwicklung innovativer Lehrangebote
· Förderung der projektorientierten Arbeit, sowie Verknüpfung von Theorie und Praxis
· Umfassender Medieneinsatz sowohl zur Motivation der Studierenden als auch zur Kommunikation mit den Studierenden. Und auch so: Besondere Fähigkeiten zur Motivation der Studierenden
· Zusammenarbeit mit Personen aus der Berufspraxis und internationale Orientierung
darüber hinaus:
· Engagierte Mitwirkung in universitären Gremien und Beteiligung an der Studiengangsentwicklung
aber auch:
· Ausarbeitung eines sehr guten Skripts zur Übung.
· Umfassende Beratung der Studierenden
· Sehr gute Lehrveranstaltungsbewertungen durch die Studierenden.
· Besondere Studierendenzentrierung der Lehre

Entschuldigen Sie diese vermeintlich monotone Aufzählung, aber sie ist nötig um deutlich zu machen, was gemeinhin für gute Lehre gehalten wird. Es finden sich Dinge, die in der Lehre selbstverständlich sein müssten, wie der Einsatz vielfältiger Medien. Es finden sich auch Dinge, die den Mitgliedern der Universitäten qua Gesetz vorgeschrieben sind – zum Beispiel die Gremientätigkeit. Was aber die „besondere Studierendenzentrierung der Lehre“ bedeuten soll, ist mir nicht ganz klar.

Für mich macht exzellente Lehre noch viel mehr aus:*
Was machen Sie als Dozierende? Betrachten Sie die Lehre als Bereicherung Ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit? Oder als ein der Wissenschaft entgegengesetztes Pendant, das allein aufgrund der Lehrverpflichtung ein notwendiges Übel ist?
Stellen Sie unsere neuen Ergebnisse und Theorien zur freien Diskussion in den Raum – zumindest in den fortgeschrittenen Seminaren?
Versuchen Sie, Studierende nicht nach einem Schema, sondern ganz individuell zu fördern, neigungsorientiert und den jeweiligen Begabungen entsprechend?
Nehmen Sie sich in den Sprechstunden – aber auch abseits dieser – genügend Zeit, um zuzuhören, bevor Sie Antworten geben, die Sie hunderten Anderen schon vorher gegeben haben?
Erklären Sie jenen in Prüfungen durchgefallenen Studierenden die Gründe für das Nichtbestehen – und hören Sie sich an, was diejenigen dazu zu sagen haben?
Verstehen Sie hohe Durchfallquoten als Zeichen Ihres eigenen didaktischen Versagens oder nur als Qualitätsmerkmal Ihrer Studiengänge?
Hören Sie sich auch die zum Teil ganz persönlichen Probleme der Studierenden von Krankheit, Finanznot oder familiären Schwierigkeiten an, um für den Studienverlauf dennoch für die/den Einzelne_n das Beste zu erreichen – oder delegieren Sie diese Probleme mit einem Achselzucken und dem Verweis, Sie seien eben nicht zuständig, an die Psychologisch Therapeutische Beratung, kurz ptb, wo sich dann das technische Personal der Dinge annimmt?
Fragen Sie denn danach, wenn ein Student, der immer engagiert und aufgeweckt wirkte, plötzlich verändert ist oder immer seltener in die Seminare kommt?

Wenn Sie diese Fragen mit „Ja“ beantworten können, und das auch der Wahrheit entspricht, könnten meiner Meinung nach auch Sie den Preis bekommen haben und Herr Werthmann bekam ihn nur Aufgrund des von der Studierendenschaft immer wieder kritisierten Auswahlverfahrens.
Nichts desto trotz freue ich mich für meine Kommilitonen und Kommilitoninnen, die bei Herrn Wertmann studieren, dass wir ihn für die Universität Hannover gewinnen konnten!

Die vorher kontrollierte Rede wurde jetzt gehalten. Gestatten sie mir nun eine persönliche Bemerkung: Dadurch dass der Preis erneut an einen Professor ging, hat er für mich einen faden Nachgeschmack! Zum einen fungiert der Preis als Motivation, die den Professoren und Professorinnen eigene eigentlich leistungsunabhängige Vergütung mit exzellenter Lehre zu füllen. Damit bestätigt die Universität Hannover, dass exzellente Lehre apriori nicht Teil der Professur ist. Zum anderen wird die Chance vertan, einen Angehörigen, oder eine Angehörige des Mittelbaus mit der Verleihung dieses Preises Chancen zu eröffnen, ebenfalls berufen zu werden. Denn sicherlich kann davon ausgegangen werden, dass die Berufungskommission sich auch aufgrund der zahlreichen Preise von Herrn Werthmann für ihn entschied. Deshalb fordere ich in Ergänzung zu der bisher von der Studierendenschaft hervorgebrachten Kritik am Auswahlverfahren, Professoren und Professorinnen zukünftig grundsätzlich von der Nominierung auszuschließen und die Auswahl dem StuRa zu überlassen.
Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit!
Alles Gute!
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*die Fragen sind ebenfalls dem Vortrag von Herrn Feuerle entnommen.