Pressemitteilung: Tageskonferenz zu Drohnenforschung an der Leibniz-Universität Hannover am 21. März

2013 erhielt die Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover bundesweit die meisten Mittel für wehrtechnische Forschung aus dem Haushalt des Bundesverteidigungsministeriums. Seit dem Jahr 2000 erhielt sie Drittmittel in Höhe von fast elf Mio. Euro für 35 sicherheitstechnische und militärische Forschungsprojekte, von denen 26 als „vertraulich“ eingestuft wurden. An einzelnen Instituten hängt ein relevanter Anteil der Stellen von den Drittmitteln aus dem Verteidigungsministerium ab. Bei vielen dieser Projekte geht es um Fernerkundung, künstliche Intelligenz und Bilderkennung – Technologien, die sowohl in der zivilen Videoüberwachung, wie in militärischen Drohnen zur Anwendung kommen.

„Hannover ist dabei kein Einzelfall“, so Christoph Marischka von der Informationsstelle Militarisierung e.V., die am Samstag, den 21.3.2015, gemeinsam mit dem AStA eine Tagung zur Drohnenforschung an der Universität veranstaltet. „Fast an jeder deutschen Universität forschen etwa Informatiker_innen an Fragen der Bilderkennung, Mathematiker_innen und Nachrichtentechniker_innen an der verschlüsselten Übertragung von Daten, biologische und psychologische Institute sind an Projekten zur Steuerung, Überwachung und Selbstorganisation von Drohnenschwärmen beteiligt“, so Marischka. Selten jedoch sei über die Projekte so viel bekannt und die Beteiligung des Militärs so offensichtlich, wie in Hannover.

Dies sei ein guter Anlass, um über die Militarisierung von Forschung und Lehre, wie auch über die Entwicklung von Überwachungstechnologien an deutschen Hochschulen zu diskutieren, meint auch Martin Kirsch, Sachbearbeiter Zivilklausel des AStA der Uni Hannover. „Drohnen und künstliche Intelligenz gelten als Paradebeispiel für sogenannte Dual Use-Technologien, die sowohl zivil, wie auch militärisch eingesetzt werden können. Zugleich sind auch viele zivile Anwendungsfelder, etwa bei der Flüchtlingsabwehr, hochgradig problematisch. Wir wollen die Frage, an was hier geforscht wird, deshalb nicht allein den Drittmittelgebenden überlassen, sondern hierzu eine breite Diskussion an der Uni und in der Gesellschaft ermöglichen“, so Kirsch.

Der Kongress beginnt am Samstag um 14:00 Uhr im Institut für Soziologie (Schneiderberg 50, 4. Stock) mit einem Beitrag von Matthias Monroy zu zivilen Einsatzfeldern von Drohnen. Im Anschluss wird der Mathematiker Thomas Gruber über zivile und militärische Anwendungsgebiete der künstlichen Intelligenz und künstlicher neuronaler Netze berichten. Nach kurzen Inputs zur Einführung einer Zivilklausel in Bremen und der bundesweiten Drohnenforschung, wird abschließend Elsa Rassbach über die Aktivitäten der Anti-Drohnen-Bewegung in den USA, Großbritannien und Deutschland berichten. Das ausführliche Programm findet sich unter: http://www.imi-online.de/2015/03/12/drohnen-forschung-ueberwachung-krieg/

Mit freundlichen Grüßen,

Christoph Marischka (Informationsstelle Militarisierung e.V.)

Martin Kirsch (Sachbearbeiter Zivilklausel des AStA der Leibniz Universität Hannover)