5.000 Besucher*innen beim Open-Air gegen Rassismus im Welfengarten

Etwa 5.000 Besucher*innen kamen am Freitag den 12. Juni zum jährlichen festival contre le racisme (fclr) im Welfengarten. Überraschend hat sich die Zahl der Teilnehmenden im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Das hannoversche Open-Air ist damit das größte seiner Art in der gesamten Bundesrepublik. Gegen 16.30 Uhr begann das Konzert im Welfengarten mit der Hamburger Band „LADA“. Danach spielten die Freiburger Musiker „Elende Bande“ und „Ego vs. Emo“. Bis zum Abend war der Welfengarten prall gefüllt. Der richtige Zeitpunkt, um die Refugee-Band „SP Music“ auf die Bühne zu lassen. Einige tausend Menschen hatten sichtlich Spaß beim Hören der Band, die sich im vergangenen Jahr im Protest-Camp am Weißekreuzplatz gegründet hat. Nach einer kurzen Umbaupause fiel der Startschuss für den Headliner des Abends: Etwa 5.000 Menschen feierten ausgelassen zur Musik des gesellschaftskritischen Hip-Hop-Trios „Antilopen Gang“. Nach der vehement eingeforderten Zugabe, zog ein Teil der Besucher*innen ins Indiego Glocksee, zur offiziellen Aftershowparty, um dort zu elektronischen Klängen die Nacht durch zu tanzen.

>> Wir freuen uns sehr, dass so viele Menschen gekommen sind, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Nach den Schreckensmeldungen der letzten Wochen war dies ein unglaublich wichtiges und schönes Signal aus Hannover. Die Veranstaltung verlief vollkommen friedlich und ohne jegliche Zwischenfälle. Wir haben damit gezeigt, dass es in der Region viele Menschen gibt, die mit der alltäglichen Diskriminierung, bspw. von Geflüchteten, nicht einverstanden sind. << so Gesa Lonnemann, Referentin für politische Bildung im AStA der Leibniz Universität.

Bereits am Samstag fand die erste inhaltliche Veranstaltung der insgesamt einmonatigen fclr-Reihe statt. Das  „Netzwerk Wohnraum für alle!“ lud zu einem Vortrag mit Andrej Holm: Der Soziologe stellte dabei die aktuelle Fallstudie „Zwangsräumungen und die Krise des Hilfesystems“ der HU Berlin vor, die sich mit dem Dauerthema soziale Verdrängung in Berlin auseinandersetzt. Auch diese Veranstaltung erfreute sich großem Zuspruch.

Eine Sprecherin des Netzwerkes im Rückblick:  >> Wir denken, dass es wichtig ist, auch Mechanismen von Diskriminierung zu beleuchten, die nicht ausschließlich auf der Zuschreibung von Nationalitäten, Hautfarbe oder ähnlich konstruierten Eigenschaften beruht, sondern auf ökonomischen und sozialen Hintergründen verschiedenster Menschen. Gleichwohl wurde dabei erschreckend deutlich, dass der Alltagsrassismus in deutschen Behörden nahezu unüberwindbare Schranken für Hilfs- und Transferleistungen darstellt.  <<

Bereits am morgigen Dienstag, den 16.06., geht es im Schneiderberg 50 in Raum V108 weiter. Hier wird Sigmar Wahlbrecht vom Flüchtlingsrat Niedersachsen zum Thema Asyl referieren. Seine Ausführungen befassen sich mit dem deutschen Asylrecht und sollen darstellen, wer in Deutschland überhaupt legal Asyl beantragen kann und wer eben nicht. Im Fokus sind dabei vor allem auch anstehende Änderungen des Asylrechts.

>> Das hannoversche fclr ist in den letzten Jahren zu einer festen Größe in Norddeutschland geworden, nicht nur das Open-Air im Welfengarten, sondern auch die inhaltlichen Veranstaltungen werden von einer wachsenden Zahl von Menschen besucht. Damit leisten wir als AStA einen großen Beitrag zum Abbau diskriminierender Denkmuster und wichtige politische Aufklärungsarbeit. Durch die Kooperation mit verschiedensten Gruppen und Initiativen, wie bspw. den Geflüchteten am Weißekreutzplatz, tragen wir aktiv und nachhaltig dazu bei, Menschen miteinander in Kontakt zu bringen und Vorbehalte abzubauen. Das ist wichtige politische Arbeit, die wir auch in den kommenden Jahren fortsetzen möchten. Allerdings hat das Festival inzwischen eine Größenordnung erreicht, an der wir zunehmend auf Drittmittel zur Finanzierung angewiesen sein werden. Wir haben uns daher unter anderem an der Ausschreibung zum 8. Ideenwettbewerb des Gesellschaftsfonds Zusammenleben beteiligt. Wir denken, unser Großprojekt ist dafür mehr als geeignet. Über nachträgliche und künftige Fördermittel freuen wir uns sehr. <<, erklärt Bodo Steffen, Referent für Kommunikation und Öffentlichkeit im AStA.