Presseerklärung: Steigende Studizahlen führen zu massiven Problemen!

Das Rekordhoch bei der Anzahl immatrikulierter Studierender an der Leibniz Universität (LUH) führt zu massiven Problemen im Lehrbetrieb. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) hat in einer Stellungnahme einige der Probleme zusammengefasst und verweist auf katastrophale Zustände im Lehrbetrieb zu Semesterbeginn. 

„Zum jetzigen Semesterbeginn sind die Zustände im Lehrbetrieb katastrophal. Studierende sitzen – gerade in den Einführungsveranstaltungen – immer wieder auf den Treppenstufen der Hörsäle oder auf dem Fußboden der Seminarräume. Seminare, die mit 10-20 Teilnehmenden gut besucht wären, müssen teilweise mit über 100 zurechtkommen.“ erklärt Bodo Steffen, Referent für Kommunikation und Öffentlichkeit im AStA. „Gerade dort, wo in den Sozialwissenschaften noch kritische Inhalte gelehrt werden, ist ein enormes Interesse zu beobachten.“, so Steffen weiter. „Der Mangel an angebotenen Lehrveranstaltungen jedoch führt unter anderem zu den genannten Problemen. Eine intensive Auseinandersetzung mit komplexen Inhalten ist so natürlich nicht möglich.“ 

Schuld an der Situation sind eine Personalentwicklung, die den steigenden Studierendenzahlen nicht im Geringsten angemessen sind und der gezielte Rückbau nicht rentabler Studiengänge. In den letzten fünf Jahren haben sich an der LUH ein Drittel mehr Studierende immatrikuliert, dem gegenüber stehen 10 % mehr Mitarbeitende im wissenschaftlichen Betrieb. Wie viele von diesen aber tatsächlich auch in der Lehre tätig sind, ist aus den von der LUH publizierten Zahlen nicht ersichtlich. Studiengänge, die als unrentabel angesehen werden, deren Inhalte aber wichtig wären für eine kritische Auseinandersetzung mit gesamtgesellschaftlichen Verhältnissen werden zurückgebaut, Stellen werden gestrichen, Studiengänge eingestampft. 

Jan Heinemann, studentisches Mitglied im Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät und im Ausschuss Studienreform (ASR) des „freien zusammenschluss von student*innenschaften“ (fzs), dazu: „Wir erleben die Pervertierung der unternehmerischen Hochschule: Unter der Ägide von unzureichender Grundfinanzierung, von Kennzahlensteuerung und Auslastungsvorgaben geraten insbesondere die geisteswissenschaftlichen Fächer in Bedrängnis und sind gezwungen, die Betreuungsverhältnisse weiter zu verschlechtern. Für eine gute akademische Ausbildung, gerade auch im Lehramtsbereich, wäre es zwingend notwendig, den Lehrkörper aufzustocken und für eine solide Grundfinanzierung zu sorgen!“

Neben fehlenden Mitteln und dem Mangel an Lehrpersonal, hat die Krise auch andere Ursachen. Studierende, die aus ihrer Sicht am besten beurteilen könnten, wo die Probleme liegen, werden in wichtige Entscheidungsprozesse nicht oder zumindest nur pro forma einbezogen. 

Katrin Kogel, studentische Senatorin an der LUH, erklärt: „Bei der Novellierung des Niedersächsischen Hochschulgesetzes, wurde die Gelegenheit verpasst, den Studierenden mehr direkte Beteiligung zuzusprechen, damit die Einflussnahme auf den Lehrbetrieb generell zu ermöglichen und an wichtigen Entscheidungsprozessen direkt beteiligt zu sein. Sinnbild dafür ist die derzeit aktuelle Debatte um die Vergabepraxis des Preises für Exzellente Lehre, dieser soll in Zukunft ohne die Beteiligung der Studierenden allein durch das Präsidium vergeben werden.“ 

Die ausführliche Stellungnahme des AStA findet sich unter:

http://www.asta-hannover.de/2015/11/02/stellungnahme-des-asta-zu-steigenden-studierendenzahlen/