Offener Brief an das Präsidium der Leibniz Universität Hannover zur kiss.me Karrieremesse

Offener Brief an das Präsidium der Leibniz Universität Hannover
„KISS ME“ – Karrieremesse – Wieder Ort der Kriegsmaschinerie

Am 7. und 8. November veranstaltet der „Verein Deutscher Ingenieure (VDI)“ wieder die Karrieremesse „KISS ME“. Neben zahlreichen Consulting- und Projektmanagement-Unternehmen sollen dort Kriegstreiber*innen und deren Unterstützer*innen um Nachwuchs werben. Bereits 2012 geriet die Karrieremesse KISS ME im Lichthof des Hauptgebäudes der Leibniz Universität Hannover von Studierenden in die Kritik. Damals war der Messestand der Firma „Rheinmetall“ Stein des Anstoßes für Kritik und Aktionen von Studierenden. (1) Auch die Teilnahme der Bundeswehr an der Karrieremesse „Career Dates“ 2016 wurde bereits von der „Hochschulgruppe des demokratischen Sozialismus“ kritisiert.(2) Dieses Mal ist nicht nur die Bundeswehr selbst an beiden Tagen mit einem Stand und einem Vortrag vertreten, es sind auch verschiedene Unternehmen vor Ort, die mit dem Militär kooperieren.
▪ Die „Ferchau Engineering GmbH“ unterstützt beim „Bau von Marineschiffen und U-Booten“ und schmückt sich auf ihrer Homepage damit, dass „Werften wie Thyssen Krupp MARINE Systems zu […] [ihren] strategischen Partnern“ gehören. (3)
▪ Die „MTU Maintenance Hannover GmbH“ ist Teil der „MTU Aero Engines AG“, die 11% ihres Umsatzanteils aus dem Militärgeschäft bezieht. Z.B. wurden diverse Triebwerke für Kampfhubschrauber der Bundeswehr entwickelt. (4)
▪ „Die ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH ist ein vorwiegend im Rüstungsbereich tätiges System- und Softwarehaus. […] Wichtigster Großkunde ist die Bundeswehr.“ (5)
Die LUH hat schon lange eine führende Position in der Rüstungsforschung. Von 2000 bis 2015 hat die LUH über 10 Millionen Euro für Rüstungsforschung erhalten. Von 35 solcher Projekte unterliegen 26 einer Geheimhaltung.(6) Alleine im Haushaltsjahr 2013 hat die LUH mit rund 100.000€ mehr als dreimal so viele Drittmittel für „Forschungsaufträge des Verteidigungsresorts“ bekommen, als die Universität mit dem zweithöchsten Betrag an solchen Drittmitteln.(7) Das Institut GUG (Geodäsie und Geoinformatik) wird zum Beispiel von den bereits erwähnten Unternehmen ESG, MTU und Rheinmetall unterstützt. (8) Die Vermutung liegt nahe, dass zum Beispiel Forschungen von GUG und TNT (Institut für Informationsverarbeitung) für Erfassung, Verfolgung und Analyse von Personen und ihren Bewegungen militärisch genutzt werden können und Grund für großzügige Zahlungen sind. Die Kooperation der LUH mit Bundeswehr und anderen militärischen Akteur*innen widerspricht dem Leitbild der LUH, nach dem Forschung „dem friedlichen Zusammenleben der Menschen dienen“ (9) soll. Dadurch, dass für militärische Auftraggeber*innen geforscht und ihnen eine Bühne zur Selbstinszenierung und Rekrutierung geboten wird, unterstützt die LUH die Überwachung und Tötung von Menschen in kriegerischen Auseinandersetzungen.

Wir fordern das Präsidium auf, Bundeswehr, ESG, MTU und Ferchau auszuladen! Wir fordern eine Zivil- und Transparenzklausel, die jegliche Kooperation mit Bundeswehr, BMVg, Rüstungs- und anderen militärunterstützenden Unternehmen beendet!

Studentische Senator*innen, AStA und SB-Stelle „Zivilklausel“ der LUH


1 https://de.indymedia.org/2012/11/337004.shtml
2 http://www.hsg-ds.de/2016/05/
3 https://www.ferchau.com/marine/de
4 https://de.wikipedia.org/wiki/MTU_Aero_Engines
5 https://de.wikipedia.org/wiki/ESG_(Unternehmen)
6 http://www.taz.de/!5023195/
7 Kleine Anfrage der Abgeordneten Katja Dörner, Dr. Frithjof Schmidt, Kai Gehring, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 17/14594 – Frage 11
8 https://www.gug.uni-hannover.de/berufsfeld0.html
9 https://www.uni-hannover.de/de/universitaet/ziele/leitbild/darstellung/