unisex – Hochschultage zum Geschlechterverhältnis und darüber hinaus 2013

 

Hier das diesjährige Programm:

Exkursion in die Gedenkstätte Bergen-Belsen mit dem Schwerpunkt gender

Sonntag 01.12.13 Treffen um 10h am AStA

Die Betrachtung von explizit „weiblichen“ Erfahrungen im Konzentrationslagersystem ist für die heutigen Forschungsansätze so wichtig wie auch interessant. Bis in die 1990er Jahre war ein Großteil der Literatur über den Holocaust in ihrer Sprache nicht geschlechtsspezifisch, dies limitierte jegliche Analyse der geschlechtsbezogenen Erfahrungen.

Die extremen Auswirkungen des deutschen Faschismus, so konnte man meinen, ergaben eine Situation, in welcher die Unterschiede der Geschlechter unwichtig seien. Aktuelle Debatten steuern dieser viel geäußerten Vermutung entgegen. Die in dem nationalsozialistischen System bestehenden gesellschaftlich konstruierten Geschlechterrollen wirkten sich nicht nur auf die Begründung und den Verlauf der Inhaftierung und Deportation aus, sondern auch auf den Lageralltag und mögliche Überlebensstrategien im Konzentrationslager.

Gemeinsam wollen wir die Gedenkstätte Bergen-Belsen besuchen und uns explizit mit „weiblichen“ Erfahrungen in dem ehemaligen Konzentrationslager beschäftigen. Die Exkursion beinhaltet ein Kurzreferat zur der Geschichte Bergen-Belsens, die Begehung des Geländes des ehemaligen Konzentrationslagers, sowie der Besuch des Dokumentationshaus.

Verbindliche Anmeldung bis zum 29.11.2013 unter fgp@asta-hannover.de
Hin- und Rückfahrt sowie Besuch der Gedenkstätte sind kostenlos.

Abfahrt in Hannover am AStA um 10Uhr
Ankunft in Gedenkstätte 11Uhr
Abfahrt an der Gedenkstätte 17Uhr

Selbstverpflegung:
es gibt eine kleine Cafeteria für die Mittagspause (allerdings nicht auf Veganer_innen
ausgelegt).

Kleidung:
der Großteil der Exkursion findet draußen statt.
Feste Schuhe / Wetter angemessene Kleidung / warme Kleidung / Regenschirm

Exkursion mit Gesa Lonnemann,
Pädagogische Mitarbeiterin Anne-Frank-Haus Oldau

„Keine Emanzipation ohne die der Gesellschaft“- Kritische Theorie zu Subjektkonstitution und Geschlecht

Montag, 02.12.2013 18h V108, Schneiderg 50

Wenn man von der Kritischen Theorie spricht, kommen „autoritärer Charakter“ und die „Dialektik der Aufklärung“, „Kulturindustrie“ und der „eindimensionale Mensch“ in den Sinn. Dagegen scheint es, die Kritische Theorie habe Geschlechterverhältnisse von ihrer ansonsten doch sehr umfassenden Gesellschaftskritik ausgenommen. Wie im Vortrag herausgearbeitet werden soll, spielt „Geschlecht“ in den Überlegungen der Kritischen Theorie zur Konstitution des bürgerlichen Subjekts jedoch eine zentrale Rolle. Dabei soll versucht werden, diese Einsichten für eine feministische Kritik gegenwärtiger Entwicklungen in den Geschlechterverhältnissen fruchtbar zu machen.
Sind wir heute tatsächlich längst schon alle selbst emanzipiert, wie nicht nur Kristina Schröder meint? Oder haben wir es nicht viel eher mit einer neoliberalen Flexibilisierung von Geschlechterverhältnissen zu tun, der gegenüber es festzuhalten gelte: „Keine Emanzipation ohne die der Gesellschaft“ (Theodor W. Adorno)?

Vortrag mit Barbara Umrath, sie hat Erziehungswissenschaften, Psychologie und Soziologie an der Universität Augsburg und der New School for Social Research, New York studiert und war lange Jahre in feministischen Projekten in Deutschland und Mexiko aktiv. Aktuell ist sie Kollegiatin im Graduiertenkolleg „Geschlechterverhältnisse – Normalisierung und Transformation“ der Universität Basel und arbeitet an einer Promotion zu Geschlecht und Kritischer Theorie.

Gendernormen im Asylverfahren

Dienstag, 03.12.2013 18h Schwule Sau

Die Veranstaltung soll einen Einblick in den Umgang mit geltend gemachter Verfolgung aufgrund homosexueller Orientierung und transsexueller Identität in deutschen Asylverfahren geben. In der europäischen Rechtsprechung hat es in der jüngsten Vergangenheit richtungsweisende Urteile im Hinblick auf die sexuelle Orientierung als Fluchtgrund gegeben. Das in Deutschland zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat darauf mit einer neuen Entscheidungspraxis reagiert.
In der Veranstaltung soll der Frage nachgegangen werden, ob und wo dies eine deutliche Verbesserung der Situation der LGBTI- Antragsteller bedeutet und wo sich die Fallstricke bei den Anforderungen an die Verfolgungsmuster nur verschoben haben.

Vortrag mit Barbara Wessel, Rechtsanwältin Berlin

queer@school

Donnerstag 05.12.2013, 20h V111, Schneiderberg 50

SchLAu Hannover ist ein Bildungs- und Schulaufklärungsprojekt zu sexueller Orientierung und Identität. Neben der Projektvorstellung geben wir in diesem Workshop praktische Einblicke in unsere Arbeit, probieren selbst Methoden aus und diskutieren Möglichkeiten der queeren Bildungsarbeit.
Workshop mit SchLAu e.V.

Homophobie und queere Bewegung in Russland

Montag 09.12.2013, 18h Raum 342, Gebäude 1501, Conti-Campus

Seit mehreren Monaten wird in Russland Homophobie zur offiziellen politischen Ideologie erklärt. Wie es dazu kam, wie es die russische queere Szene betrifft, wie sie trotztdem noch aktiv sein kann in Sachen Protest, Aufklärung und Hilfeleistung, welche Handlungs-möglichkeit es von Deutschalnd aus gibt – darüber wird in diesem Vortrag und danach berichtet und diskutiert.

Vortrag mit Wanja Kilber, Osteuropa-Koordinator des LSVD-Hamburg und Mitbegründer von Quarteera e.V.,*Quarteera e.V., einer Vereinigung russischsprachiger LGBTI in Deutschland, die in letzter Zeit homo- und transsexuellen Flüchtlingen aus Russland hilft. Seit Jahren organisiert Kilber zusammen mit dem LSVD-Hamburg innerhalb der Städtepartnerschaft mit St.Petersburg einen Austausch mit russischen Aktivist_innen.

Queerfeministische Perspektiven auf (Safer) Sex

Dienstag 10.12.2013, 18h Schwule Sau

Dass Sex mehr ist als heteronormatives „Penis-in-Vagina“, dürfte mittlerweile allgemein bekannt sein. Ebenso, das Safer Sex mehr bedeutet als Verhütung und AIDSPrävention. Aber was genau gehört eigentlich zu diesem „mehr“? Wohin führt es uns, wenn wir über Heterosexualitäthinausdenken, ohne sie gleich ad acta zu packen? Was können lesbische, schwule, queere und heterosexuelle Praktiken von einander lernen? Wie hängen unsere Vorstellungen von „Gesundheit“ und Sexualität zusammen? Und was könnte das alles mit BDSM zu tun haben?

In diesem Workshop möchte ich einige queerfeministische Perspektiven auf Sex(ualität) vorstellen und mit euch zusammen erkunden, wie und in welchen Grenzen sicherer, einvernehmlicher und lustvoller Sex jenseits von Geschlechtergrenzen und -normen möglich ist. Der Workshop ist offen für Menschen aller Geschlechter. Respektvolles Verhalten gegenüber den Identitäten und Begehrensformen der Teilnehmer_innen wird vorausgesetzt.

Workshop mit Louzie
Die Teilnahme ist auf 20 Personen begrenzt, also kommt punktlich 😉

Mit BDSM zu Verstand kommen!Wissenschaftliches über eine etwas andere Sexualität.

Mittwoch 11.12.2013, 20h, V110, Schneiderberg 50

Mit dem Artikel von Lawrence Mass „Coming to Grips with Sadomasochism“ vom 5.April 1979 (The Advocate) begann die wissenschaftliche Entpathologisierung von BDSM in den USA. 2007 beschäftigten sich wissenschaftliche Konferenzen erstmals in Deutschland mit BDSM. Völlig zu Verstand ist die Gesellschaft mit diesem Thema immer noch nicht gekommen. Liebe hat mit Nähe zu tun, die erotische Spannung hat aber mehr mit Distanz zu tun. Dies stellt sich in SM-Partnerschaften in spezifischer Weise: Ist SM ein Versuch Distanz zu schaffen, und der vorherrschenden Sexideologie von einem gleichartigen und synchronen sexuellen Agieren (deren Metapher der gemeinsame, gleichzeitige Höhepunkt ist) einen asynchronen Sex gegenüberzustellen? SM-Interaktionen stellen die sexuellen Partner_innen nicht nebeneinander, sondern gegeneinander, die Partner_innen werden (wieder) Gegner, denn sie sollen sich begegnen (A. Aliti).

Vortrag mit Dr. Norbert Elb

Zur Kritik der Monogamie

Donnerstag 12.12.2013 19h, Schwule Sau

Seit einigen Jahren erfreuen sich nichtmonogame Beziehungskonzepte, nach einem zeitgemäßen Rebranding als „Polyamorie“, wieder erhöhter medialer Aufmerksamkeit und, so scheint es, wachsender Popularität. Verbirgt sich dahinter, wie manche Kritiker befürchten, die endgültige Kolonisierung des Liebeslebens durch den Neoliberalismus? Was spricht eigentlich gegen Monogamie? Dienen offene Beziehungen der Überwindung des Patriarchats oder doch eher dessen Entfesselung? Und: Kann das in der Praxis überhaupt funktionieren? Die These des Vortragenden lautet, dass eine emanzipatorische, politisch reflektierte und praxisorientierte Sexualmoral, die auf Respekt vor der Freiheit des anderen und einem aufgeklärten Umgang mit Sexualität beruht, nötig und wünschenswert ist und dass sich in deren Rahmen sehr wohl gegen Monogamie, aber auch gegen mancherlei nicht monogame Beziehungsmodelle argumentieren lässt.
Vortrag mit Oliver Schott

Film: Laurence Anyways

Samstag 14.12.2013, 20:30h Kino im Sprengel 

Laurence Anyways ist die Geschichte einer wilden und ungewöhnlichen Liebe im Montreal der 1990er-Jahren. Laurence und Fred sind seit zwei Jahren ein glückliches Paar und genießen ihr gemeinsames Leben. Doch Laurence‘ Geständnis fortan als Frau leben zu wollen, verändert alles. Auch wenn ihre Beziehung dadurch radikal in Frage gestellt wird, versuchen sie gemeinsam ihre Liebe zueinander zu retten. Doch nicht nur die Beziehung steht auf dem Spiel: Laurence Mutter ist hin- und hergerissen zwischen Unterstützung und Unverständnis. Auch den Job als Lehrkraft ist Laurence schnell los, weil sich besorgte Eltern beschweren.

Der Film erzählt die Geschichte vom Kampf gegen Unverständnis und Intoleranz einer heteronormativen Gesellschaft, aber auch von der Freiheit die es bedeutet, den eigenen Lebensentwurf gegen alle Widerstände und auch gegen die eigenen Zweifel leben zu können. Dazu bedient er sich starken Bildern in kräftigen Farben, spielt mit surrealen, irritierenden Momenten und wird gespielt von starken Darsteller*innen.

Nach „I Killed My Mother“ und „Heartbeats“ ist Laurenc Anyways die dritte Regiearbeit des kanadischen Regisseurs Xavier Dolan und erhielt zahlreiche internationale Preise und Nominierungen.

Der Eintritt ist wie bei allen anderen Veranstaltungen frei.

 

 

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