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Keine Hilfe in Sicht – Beitrag für das Uni Magazin „com.unity“

Über 750.000 Studierende haben bereits Ende April ihren Job verloren, die technischen Voraussetzungen zur Teilnahme am Onlinesemester sind für viele nicht bezahlbar, gleichzeitig sehen sich Studierende einer zunehmenden Vereinzelung durch Eigenarbeit in der Isolation ausgesetzt. Die Liste der Probleme der Studierenden ist lang, durch die Pandemie verschärfen sich Missstände, die ohnehin schon seit Jahrzehnten bestehen. Wieder einmal zeigt sich auch in dieser Situation: Das Warten auf Hilfe seitens des Staats ist aussichtslos – aber warum ist das so?

Bildungministerin Karliczek (CDU) sieht keinen Grund mehr Studierende weiter unterstützen zu müssen, die Wirtschaftslage habe sich entspannt und es gäbe dadurch jetzt wieder mehr Chancen für Studierende einen Job zu finden, so Karliczek. Aufgrund dessen könne in immer weniger Fällen eine coronabedingte Notlage festgestellt werden. Also doch alles super? Ganz im Gegenteil. 

Anstatt die „Überbrückungshilfe“ einzustellen wäre der naheliegenste Schritt gewesen die Hilfe auszuweiten, denn die Hilfe geht völlig an den Belangen der Studierenden vorbei. 40% der 134.000 Anträge die bis Ende Juli eingegangen sind wurden nicht bewilligt, weil sie sich schon vor der Pandemie in einer Notlage befanden. Hilfe bekamen nur die, die weniger als 500€ auf Ihrem Konto haben, was für viele in Hannover schon einen Großteil der Miete bedeutet. Außerdem kam die Hilfe Monate zu spät, nachdem etliche Studis schon längst Ihren Job verloren haben. Wie die Studie „Studieren während der COVID-19 Pandemie“ der Juso Hochschulgruppen1 zeigt, verlassen sich Studierende in Zeiten der Krise zurecht nicht auf den Staat – die CDU bestätigt eindrucksvoll, dass mit ihrer Hilfe in jedem Fall nicht zurechnen ist.

Die prekäre Lage der Studierenden, ob mit oder ohne Pandemie, ist bedingt durch die Krise des Kapitals, die seit den 70er Jahren in regelmäßigen Abständen in globalen Crashs mündet. Der fortwährende Drang des Kapitals immer mehr und immer günstiger zu produzieren und gleichzeitig die Arbeitskraft des Menschen durch Maschinen zu ersetzen, bzw. Einsparungen in der Entlohnung zu treffen, bestimmen zwei Widersprüche die ineinander verzahnt unweigerlich zum Crash führen. Denn wenn es auf der einen Seite immer mehr Produkte gibt, die zum Kauf erhältlich sind, gibt es auf der anderen Seite immer weniger Abnehmer*innen, weil es weniger Kaufkraft gibt – die Produkte können nicht verwertet werden, die Profitabilität fällt zusammen, Arbeitslosigkeit und Lohndumping sind die Konsequenz. Währenddessen fallen die Steuereinnahmen und die Staatsausgaben steigen. In große Fluggesellschaften werden Milliarden reingepumpt, während Studierende in Notlagen im Dunklen gelassen werden. Der Staat verschuldet sich und spart an anderen Ecken ein, deutlich bemerkbar ist das eben auch an der Hochschule.

Um nicht als Verlierer dazustehen, muss sich der Staat bemühen wettbewerbsfähig zu bleiben und Unternehmen günstige Bedingungen zur Produktion zu bieten. Für Studierende macht sich das bemerkbar durch die Verschulung der Bildung, der Verkürzung des Studiums und der schwer zu bewältigenden stofflichen Fülle, dass sich vor allem im Zuge der Bologna Reformen verschärft hat. So kurz wie möglich sollte das Studium dauern, um nicht dem Staat auf der Tasche zu sitzen. So schnell wie möglich sollen sich Studierende dem Markt anbieten können, um die eigene Arbeitskraft verwerten zu können. Universitäten sind keine Orte an dem Bildung dem eigentlichen Zweck der Emanzipation dient, Universitäten haben vielmehr den Zweck der fabrikartigen Produktion von Akademiker*innen – Die Bildung steckt in einer tiefen Krise.

Wir wollen eine Bildung jenseits von Kapitalinteressen, in der jede*r nach seinem Können und seinen Fähigkeiten lernen und leben kann.

1Niemitz, Jaqueline: Studieren während der COVID-19 Pandemie – Bericht und erste Ergebnisse, Studie im Auftrag der JUSO Hochschulgruppen.

„Meckerecke