Veranstaltungen | AStA - Leibniz Universität Hannover

Veranstaltungen

it?s all about identity?! ? Kritisches ?berlegen zum Verh?ltnis von Identit?t & Politik

In den letzten Jahrzehnten haben sich gesellschaftliche Wahrnehmungsmuster sozialer Ungleichheiten zunehmend ver?ndert und unter anderem zu einem Zuwachs verschiedenster Identit?tspolitiken gef?hrt, durch die die gesellschaftliche Diskriminierung marginalisierter Gruppen st?rker fokussiert und kollektiv um soziale Anerkennung gestritten werden soll.

Insbesondere mit dem Erstarken neurechter Bewegungen und ihrer ethnopluralistischen Ideologie, in der der Verlust einer vermeintlichen nationalen und kulturellen Identit?t bef?rchtet wird, gerieten identit?tspolitische Konzepte und Praktiken immer st?rker in die Kritik. Die Debatten um Identit?tspolitik reichen allerdings inzwischen auch in linke Bewegungen und werden hier vor dem Hintergrund autorit?rer Ausschlusspraktiken, einer Angleichung an neoliberale Herrschaftsverh?ltnisse und einer Partikularisierung sozialer Bewegungen kontrovers gef?hrt.

Im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe sollen die gesellschaftlichen Ursachen des Bedeutungszuwachses von Identit?t untersucht und ein kritischer Blick auf die Theorie und Praxis von Bewegungen geworfen werden, die sich affirmativ auf sie beziehen. Der Fokus liegt dabei auf einer selbstkritischen Besch?ftigung mit linken Identit?tspolitiken, die aufgrund einer polemisierten Debatte entweder vermieden oder dogmatisch gef?hrt wird.

Anstelle einer Echauffierung ?ber Teile der politischen Linken soll eine produktive Debatte entstehen, aus der inhaltlich gest?rkt hervorgegangen werden kann.

Im ersten Teil der Veranstaltungsreihe wird kritisch in das Konstrukt Identit?t eingef?hrt. Darauf folgt eine Auseinandersetzung mit gegenw?rtigen geschlechtlichen und ethnischen Identit?tspolitiken, bzw. den Leerstellen und Fallstricken zentraler politischer Wahrnehmungs- und Argumentationsmuster. Auch autorit?re Tendenzen innerhalb identit?tspolitischer Bewegungen sollen hier beleuchtet und gesellschaftlich eingeordnet werden.

Ein ?berblick ?ber die Veranstaltungen findet sich hier. Kommt vorbei ? Let?s reunite!

Die Sehnsucht nach Identit?t. Zur Sozialpsychologie eines affektiv hochbesetzten Konstrukts

04.05. 19Uhr, Pavillon

Vortrag

Der Begriff ?Identit?t? ist ein inflation?r verbreitetes Modewort geworden. Sein Reiz liegt dabei in seiner Unbestimmtheit, die ihn letztlich gegen alles, was als nicht- identisch gilt einsetzbar macht. Vor allem in der Beschw?rung einer kollektiven, also einer nationalen, kulturellen oder einer geschlechtlichen Identit?t wird diese Gefahr deutlich. Der Identit?tsbegriff suggeriert dabei das Vorhandensein klarer Differenzen und eine wesensm??ige Einheit mit sich selbst beziehungsweise mit der eigenen Gruppe. Die ersehnte innerer Homogenit?t, Reinheit und Widerspruchsfreiheit kann aber nur durch die Ausgrenzung und Verfolgung derjenigen erreicht werden, die l?ngst als nicht dazugeh?rig definiert und gerade deshalb als bedrohlich empfunden werden. Dabei wird verkannt, dass ?innen? und ?au?en?, ?Eigenes? und ?Nicht-Eigenes? je nach ideologischen Vorgaben konstruiert werden. Das ?ffnet T?r und Tor f?r einfache Welterkl?rungsmuster und demagogische Heilsversprechungen. Der Vortrag wird diesen Fallstricken des Identit?ts-Begriffs aus einer sozialpsychologischen Perspektive nachgehen.

Prof. Dr. Rolf Pohl war bis 2017 Hochschullehrer f?r Sozialpsychologie am Institut f?r Soziologie an der Leibniz Universit?t Hannover. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten geh?ren im Bereich der Politischen Psychologie die Themen NS-T?ter, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit sowie im Bereich der Geschlechterforschung die Themen Sexismus, M?nnlichkeit, sexuelle Gewalt und m?nnliche Adoleszenz.

Identit?t als Reale Fiktion

Vortrag

10.05. 19Uhr, Raum 1502.013 (K?nigsworther Platz 1, 30167 Hannover)

Die Erfahrung gesellschaftlicher Desintegration bringt die Sinnfragen, ?Wer sind wir? Wo kommen wir her? Wer ist schuld?? heute in einer radikaleren Form in das Alltagsbewusstsein zur?ck. Die Ausgangsfrage ?Wer sind wir?? sei zwar leicht zu stellen, meint Claussen (1994), aber schwer zu beantworten, wenn man sich mit der Sinnplombe ?Identit?t? nicht zufriedeng?be.

Dieser Vortrag beleuchtet die Bedeutsamkeit ?ethnischer Identit?ten? als normative politische Kategorie, reflektiert aber zugleich ihre Unbrauchbarkeit als analytische Kategorie, die komplexe Gemengelagen von Anerkennungsk?mpfen und Vergemeinschaftungsprozessen nicht zu entschl?sseln vermag.

Am Beispiel der Entstehung von ?,Ethnizit?t? wird in diesem Beitrag gezeigt, dass es sich beim wirkm?chtigen Stichwort ?Identit?t? um reale Fiktionen handelt: sie brauchen keine empirische Basis, entbehren analytischen Gehalt, basieren auf subjektivem Glauben, haben jedoch eine objektive Wirkungsmacht.

PD Dr. habil. Nina Clara Tiesler ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut f?r Soziologie der Leibniz Universit?t Hannover und affilierte Forscherin am Institut f?r Sozialwissenschaften der Universit?t Lissabon. Sie promovierte ?ber Identit?tspolitiken von Muslim:innen in Europa und entwickelte in ihrer Habilitationsschrift die analytische Prozesskategorie der Ethnoheterogenese. Am ISH unterrichtet sie Soziologische Theorie.

Diversit?t der Ausbeutung ? Zur Kritik des herrschenden Antirassismus

Buchvorstellung

12.05., 19 Uhr, Kulturzentrum Faust ? Warenannahme

In Deutschland wird von Antidiskriminierungsstellen bis zur radikalen Linken ein liberaler Rassismusbegriff vertreten, der vor allem auf Repr?sentation, Inklusion und Diversit?t setzt. Wie Klasse und Rasse zusammenh?ngen, wird aktuell so gut

wie nicht diskutiert. Der Sammelband ?Die Diversit?t der Ausbeutung? will diesen Fundus heben, indem historische und aktuelle Diskussionen aus dem englischsprachigen Raum rezipiert sowie aus deutschsprachigen marxistischen Wissensarchiven aktualisiert werden. Gleichzeitig bietet das Buch eine politische Intervention in die aktuelle liberale und identit?tspolitische Debatte um strukturellen und institutionellen Rassismus ? ob auf dem Arbeitsmarkt oder bei der Polizei ? und pr?sentiert einen marxistischen Antirassismus in Theorie und Praxis.

Bafta Sarbo ist Sozialwissenschaftlerin. Sie lebt in Berlin und besch?ftigt sich mit marxistischer Gesellschaftskritik, (Anti-)Rassismus, Migration und Polizeigewalt. Politisch ist sie unter anderem aktiv im Vorstand der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland. Bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung gibt sie Kurse zum Marxschen Kapital.

Critical Whiteness ? Entsolidarisierungen im Antirassismus?

Vortrag

15.05., 19Uhr, UJZKorn

Der Vortrag f?hrt ein in das Konzept von Critical Whiteness und problematisiert die damit verbundene Identit?tspolitik im Feld des Antirassismus. Er m?chte zeigen, dass das dominante US-Konzept der wei?en Vorherrschaft gro?e Teile der Geschichte des europ?ischen und insbesondere des deutschen Rassismus ?bersieht und als Theorieimport, der in Deutschland allm?hlich hegemonial wird, diese Geschichte sogar unsichtbar macht. Dabei wird argumentiert, dass Rassismus kein identit?res Projekt ist, auch wenn er Identit?ten produziert, sondern ein Instrument zur ungerechten Verteilung von Rechten und Ressourcen. Es geht nicht so sehr um Zugeh?rigkeiten und entsprechende Privilegien, sondern um die Produktion von Entrechtung, die zu diesen Verh?ltnissen f?hrt. In den Identit?tspolitiken der letzten Jahre werden zunehmend autorit?re und von Widerspr?chen befreite Formen der Politik sichtbar, deren Konsequenzen f?r ein solidarisches Handeln gemeinsam diskutiert werden sollen.

Massimo Perinelli ist Historiker, Autor und Publizist, Podcaster und Aktivist in postmigrantischen Initiativen. Seit 2016 arbeitet er als Referent f?r Migration bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin. Von 2001 bis 2015 hat er an der Universit?t zu K?ln zur Geschichte des Films, zu K?rper- und Sexualit?tsgeschichte und zu US- Geschichte gelehrt und geforscht. Er ist langj?hriges Mitglied von Kanak Attak, Mitbegr?nder der K?lner Initiative ?Keupstra?e ist ?berall? und hat das Tribunal

?NSU-Komplex aufl?sen? mitinitiiert und mitorganisiert. 2019 hat er den Interviewband ?Die Macht der Migration? (Unrast) publiziert und 2020 gemeinsam mit Lydia Lierke den Band ?Erinnern st?ren? (Verbrecher) herausgegeben.

Die Frauenfrage als Teil der allgemeinen sozialen Frage ? von Identit?ts- und Klassenpolitik in linker Bewegungsgeschichte

Vortrag

17.05., 19Uhr, UJZKorn

Die Debatte um den Primat von Identit?t und Klasse ? sei es politisch oder auf theoretischer Ebene ? ist ?u?erst polarisiert. Es ist daher hilfreich, genauer hinzusehen: Woher kommt Identit?tspolitik und was war damit gemeint? Interessierte sich die Arbeiter*innenbewegung nur f?r geschlechtslose, also m?nnliche (wei?e)

Industriearbeiter? Und ist eine Synthese im Sinne einer ?intersektionalen? Klassenpolitik n?tig oder waren Ausbeutung und Unterdr?ckung ohnehin nie zu trennen?

In einem Streifzug durch die letzten 150 Jahre schauen wir uns an, wie ein marxistischer Identit?tsbegriff aussehen k?nnte und was das f?r Emanzipation bedeutet. Mit Clara Zetkin ?ber ?das Erwachen der Individualit?t? hin zum Sozialismus beim Combahee River Collective ? es zeigt sich, dass linke Geschichte bei weitem nicht so stereotyp ist, wie in der Debatte um Identit?ts- vs. Klassenpolitik bisweilen behauptet.

Janette Otterstein ist Sozialwissenschaftlerin und promoviert an der Friedrich-Schiller- Universit?t Jena zum Verh?ltnis von Kapitalismus, Rassismus und Sexismus in marxistischer Theorie und Praxis. Sie lehrt an Hochschulen zu Marxismus und Feminismus.

Materialistischer Feminismus in der Bredouille

Vortrag

21.05., 16 Uhr, Freizeitheim Linden

Materialistischer Feminismus galt in den letzten Jahren als Gegenst?ck und Kritikfolie zu queerfeministischen Ans?tzen. Dem einseitigen Beharren auf Identit?tspolitik wurde die Kritik am neoliberalen Konzept von Identit?t und am kapitalistischen Patriarchat entgegengehalten, das unerm?dlich Biologie vergesellschaftet ? zum weitaus gr??eren Nachteil derer, die in dieser Gesellschaft zu Frauen werden.

Heute wird der identit?tspolitische Feminismus vermehrt von Radikalfeministinnen kritisiert. Sie behaupten, endlich wieder Realit?t, und zwar in Form von Geschlechtsorganen, in die Debatte um Frauen und M?nner zu tragen. Wenn Materialismus als Begr?ndung daf?r herangezogen wird, dass Frauen keinen Penis haben k?nnten, muss die Frage, was materialistischen Feminismus ausmacht, neu gestellt werden.

Koschka Linkerhand ist feministische Autorin und Referentin. 2018 erschien der Sammelband ?Feministisch Streiten?, 2018 und 2021 die Romane ?Die Irrfahrten der Anne Bonnie? und ?Ein neuer, ein ganz anderer Ort?, 2022 ?Um mein Leben. Ein biografischer Bericht?.

Warum ich nicht mehr ?ber den Islam rede

Lesung

23.05, 19Uhr, Conti-Foyer

Wie es kommt, dass identit?tspolitische Positionen die Diskriminierung unterdr?ckter Minderheiten ? etwa im Bereich der Kunst und der Literatur ? oft reproduzieren, statt diese zu bek?mpfen. Dass identit?tspolitische Debatten, die durch ein hohes Ma? an Emotionalit?t und Unerbittlichkeit gepr?gt sind, die Tendenz haben, abweichende Positionen zu d?monisieren. Dass, dar?ber hinaus, immer absurdere gesellschaftliche und politische Diskurse immer banalere ?Gegen-Diskurse? produzieren. Und warum er ?ber den Islam nicht mehr redet, diese und andere schwierige Fragen versucht der

Schriftsteller und Psychoanalytiker Sama Maani in seinem neuen Essayband zu beantworten ? und scheut dabei auch vor schwierigen Antworten nicht zur?ck.

Sama Maani wurde in Graz geboren und wuchs in ?sterreich, Deutschland und im Iran auf. Er studierte Medizin in Wien und Philosophie in Z?rich. Nach jahrelanger T?tigkeit als Nervenarzt und Psychoanalytiker arbeitet er heute als Schriftsteller in Wien. Zu seinen Publikationen geh?ren: ?Respektverweigerung. Warum wir fremde Kulturen nicht respektieren sollten. Und die eigene auch nicht? (Essayband 2015), ?Teheran Wunderland? (Roman 2018) und ?Warum ich ?ber den Islam nicht mehr rede? (Essayband 2022). Sein j?ngster Roman ?Zizek in Teheran? (2021) handelt von einer Revolution der Frauen in der halb-fiktiven ?Islamischen Republik Teheran?, ausgel?st durch einen geheimnisvollen Text, dessen m?nnliche Leser sich in Frauen verwandeln. In Kooperation mit dem Literarischen Salon Hannover.

Nymphe & S?hne sprechen ?ber Identit?tspolitik

Podcastfolge Nymphe & S?hne

25.05.

Wow, wer h?tte das gedacht, eine feministische Memeseite kann sprechen! Und das tun Nymphe & S?hne jetzt einmal die Woche mit Abdul Chahin und Jean-Philippe Kindler.

In dieser Folge sprechen die beiden ?ber Dringlichkeit und T?cken von Identit?tspolitik. Im Gespr?ch mit der Community wird es dabei ganz sch?n kontrovers?

Intersektionalit?t ? Geschichte und Kritik

30.05., 19 Uhr,

Im wissenschaftlichen Diskurs um Diskriminierung aber auch in der Praxis gegenw?rtiger, vor allem identit?tspolitisch gepr?gter, Bewegungen spielt Intersektionalit?t eine wichtige Rolle. Dieser interaktive Vortrag f?hrt ein in die Entstehungsgeschichte der Intersektionalit?tstheorie sowie auf dessen Rezeption im deutschsprachigen Raum. Schlagworte wie Standpunkttheorie oder Identit?ts- und Verb?ndetenpolitik werden dabei erl?utert und in ihrer politischen Ausgestaltung diskutiert.

Neben der historischen Genese der Intersektionalit?tstheorie wird diese auch einer kritischen Untersuchung unterzogen: Was genau wird versucht mit dem Konzept der Intersektionalit?t auszudr?cken? Wo tauchen Probleme auf? Und was bedeutet dies f?r eine gesellschaftsver?ndernde politische Praxis?

Als Ausblick wird ein marxistisches Verst?ndnis von Ausbeutung und Unterdr?ckung umrissen, welches sich zum Ziel setzt eine Bewegung aufzubauen, der es gelingt, ?alle Verh?ltnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein ver?chtliches Wesen ist? (Karl Marx).

Eleonora Rold?n Mend?vil ist Politikwissenschaftlerin und Herausgeberin des Sammelbandes ?Die Diversit?t der Ausbeutung. Zur Kritik des herrschenden Antirassismus? (Dietz Verlag Berlin, 2022). Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Kritik der Politischen ?konomie, Rassismus- und Geschlechterforschung. Sie lebt in Berlin.

 

Antisemitismus und BDS entgegentreten ? Widerspr?che aushalten

Im Zuge der Ank?ndigung unser baldig startenden Veranstaltungsreihe wurde von unterschiedlichen Seiten Kritiken an uns herangetragen, die vorrangig zwei Referent:innen, Eleonora Rold?n Mend?vil sowie Bafta Sarbo, betrifft. Dabei handelt es sich um Antisemitismusvorw?rfe, zu denen wir im Folgenden Stellung beziehen und unseren Umgang transparent machen m?chten.

Hierbei ist vorwegzunehmen, dass wir weder Rold?n Mend?vil noch Sarbo f?r genuine Antisemitinnen halten; w?re dies der Fall, w?rden wir selbstverst?ndlich von einer Veranstaltung mit ihnen absehen, auch wenn diese, wie in der hiesigen Reihe, das Themenfeld Nahostkonflikt, in dem die kritisierten Positionen lokalisiert sind, nicht einmal streift. Dennoch sch?tzen wir von Rold?n Mend?vil getroffene Aussagen und weiteres Auftreten beider Referentinnen stellenweise als antisemitisch, bzw. anschlussf?hig f?r antisemitische Argumentationen ein, weshalb wir dieses kritisieren m?chten. Dabei setzen wir auf eine solidarische Kritik, die auf Fehleinsch?tzungen und diskriminierende Inhalte hinweist, anstatt kategorische Ausschl?sse zu forcieren.

In Interviews bezeichnete Rold?n Mend?vil Israel als Apartheidstaat, auf einer Demonstration vor sechs Jahren stellte sie lautstark die Forderung einer weiteren Intifada auf, beteiligte sich vorher an einem Musikvideo, dass die gleichen Aussagen beinhaltete und unterst?tzt dar?ber hinaus die BDS-Bewegung, auch wenn keine aktive Beteiligung darin vorliegt. Die an ihr kritisierten Positionen werden auch vom BDS immer wieder hervorgebracht und sind deshalb im Folgenden mit einer Kritik der Organisation zusammengef?hrt. Dabei geht es nicht darum, diese Positionen in G?nze auszudiskutieren, sondern exemplarisch zu kritisieren, um somit auch unsere Hatlung zum BDS zu verdeutlichen. Hier sei erw?hnt, dass Sarbo die relativistischen Gleichsetzungen der israelischen Politik zum Apartheidregime nicht teilt oder im Kontext der Demonstrationen bzw. des Musikvideos auftaucht. Die Kritik an ihr bezieht sich vordergr?ndig auf den Kontakt zu BDS-Aktivist:innen sowie die Teilhabe und Unterst?tzung von Aktionen aus diesem Umfeld, was ebenfalls kritisiert werden muss.

Zum Umgang mit BDS liegt bereits ein veraltetes und stellenweise unausgereiftes Papier des AStA vor, das auch in der hiesigen Diskussion bereits aufgegriffen wurde und in wesentlichen Punkten nach wie vor Richtigkeit besitzt. Bei der Bezeichnung Israels als Apartheidstaat handelt es sich um eine relativistische Gleichstellung, die das System der staatlichen ?Rassentrennung? mit einer demokratischen Gesellschaft auf eine Ebene hebt. Dieser Relativismus hinkt historisch und wird dabei in den Argumentationen immer wieder durch einen vermeintlichen Bezug auf die Antiapartheidkonvention von 1973 zu ?berspielen versucht; es ginge also gar nicht um das s?dafrikanische System der staatlichen Ungleichmachung. Beide Bezugspunkte widersprechen jedoch der sozialen und rechtlichen Verfassung Israels, was gerade die letzte Argumentation umso instrumenteller erscheinen l?sst (was nicht bedeutet, dass reale Prozesse von Diskriminierung und Segregation innerhalb der Gesellschaft nicht auch wie in anderen Staaten kritisiert werden d?rften). Dabei wird bewusst oder unbewusst die Gleichsetzung mit einem rassistischen Regime in Kauf genommen, was nicht nur antisemitischen Agitationen T?r und Tor ?ffnet, sondern bereits die Frage aufwirft, inwiefern nicht hier bereits ein verdeckter Antisemitismus Teile der Argumentationen hervorbringt (dies steht nicht im Widerspruch dazu, Vergleiche zwischen Staaten und dem Apartheidregime anstellen zu k?nnen, doch d?rfen diese nicht in indifferenten Gleichsetzungen m?nden).

Der antisemitische Charakter der Boykottbewegung BDS wurde dabei bereits an vielen Stellen ausf?hrlich erl?utert. Ihre Kampagne fu?t auf einer einseitigen Kritik Israels, in dessen Folge diesem mehrheitlich (insbesondere von K?pfen der Bewegung) das Existenzrecht abgesprochen wird, weltweit zu einer rassistisch-antisemitischen Kollektivierung von J?dinnen:Juden beigetragen wird, in dem diese f?r die Politik des Staates verantwortlich gemacht werden und regelm??ig NS-Relativierungen stattfinden. In diesen Praktiken offenbart sich die kalkulierte Ungenauigkeit in den Zielen und Definitionen von BDS (hier sei insbesondere auf das Grundsatzpapier der Bewegung von 2005 verwiesen), welche eine antisemitische Auslegung strukturalisieren. Die Bewegung floriert so zu einem Sammelbecken antisemitischer Anh?nger:innen aus verschiedenen politischen Spektren und schlie?t an eine lange Geschichte antisemitisch motivierter Boykotte und Aktionen seit der Staatsgr?ndung an. Aus diesen Gr?nden hatten wir uns der 2019 verfassten Resolution des fzs bez?glich BDS angeschlossen, an der wir nach wie vor festhalten. Zur weiteren Vertiefung kann bspw. Kirsten Dierolfs Text zu der Thematik im Sammelband ?Antisemitismus seit 9/11. Ereignisse, Debatten, Kontroversen? (2019) oder das CARS Working Paper #005, ?Die Israel-Boykott-bewegung BDS und die documenta fifteen? (2022), herangezogen werden.

Wir m?chten uns folglich von den, differierenden, Haltungen der Referentinnen zur BDS-Bewegung bzw. darin beteiligten Aktivist:innen, im Besonderen dar?ber hinaus von Rold?n Mend?vils Vergleichen Israels mit einem Kolonialstaat und Apartheidregime sowie den Bekundungen zur Intifada, abgrenzen und ihnen eine Reflektion ihrer Positionen hinsichtlich dessen Anschlussf?higkeit f?r Antisemitismus nahelegen. Dennoch glauben wir, dass ein konstruktiver Austausch (anstelle von autorit?rem Ausschluss) m?glich ist und halten deshalb an einer gemeinsamen Veranstaltung fest. Dabei sei betont, dass eine solche f?r uns nicht gleichbedeutend mit einer unhinterfragten Zustimmung zu allen Positionen der Referentinnen ist. Wir verstehen unsere Veranstaltungen stattdessen als Diskussionsraum, in dem auch in Widerspruch zueinander getreten werden darf und soll. Zudem m?chten wir darauf hinweisen, dass weder die Vortr?ge beider Referentinnen, noch ihr Sammelband ?Diversit?t der Ausbeutung?, auf den sich diese im Wesentlichen st?tzen, den Nahostkonflikt, bzw. die BDS-Bewegung behandeln, die problematisierten Positionen also nicht Gegenstand der Veranstaltungen sind. Sollten doch antisemitische Aussagen get?tigt werden, sei es von Referent:innen oder Zuh?rer:innen, gilt das gleiche wie bei allen Veranstaltungen des AStA : Diese werden nicht geduldet und entsprechend konsequent ist der Umgang unserer Moderator:innen.

Zuletzt sei noch einmal herausgestellt, dass die Referentinnen mit dem von ihnen herausgegebenen Sammelband einen wichtigen Beitrag im Diskurs um (materialistischen) Antirassismus geleistet haben, welcher ein kritisches Verst?ndnis gegenw?rtiger und historischer Rassismen erm?glicht und klassentheoretische Leerstellen in der gegenw?rtigen Auseinandersetzung um die Thematik problematisiert und auff?llt. Ihre Analysen er?ffnen Perspektiven, die gerade im Zuge einer zunehmenden Kulturalisierung sozialer Ungleichheiten eine besondere Relevanz besitzen. Das aus einer langj?hrigen Expertise resultierende analytische Handwerk schafft nicht nur f?r die Erforschung des Rassismus, sondern auch f?r die Untersuchung anderer Diskriminierungsformen eine fruchtbare Grundlage, weshalb wir eine Besch?ftigung damit im Rahmen unserer Reihe f?r sinnvoll erachten. So pl?dieren wir im Rahmen der Veranstaltungen dazu, die Referentinnen an den notwendigen Stellen zu kritisieren, ihre Inhalte aber lieber kritisch weiterzudenken, anstatt sie g?nzlich aus dem Diskurs zu verbannen.

Auch unabh?ngig dieses spezifischen Konflikts ist uns bewusst, dass Antizionismus, bzw. eine undifferenzierte und antisemitisch gef?rbte Kritik am Staat Israel, kein seltenes Ph?nomen innerhalb der (materialistischen) Linken ist, weshalb wir eine intensivere Auseinandersetzung damit f?r notwendig erachten. Diese soll im Anschluss an die hiesigen Veranstaltungen erfolgen und in eine kurze, eigene Reihe m?nden, die, in Zusammenarbeit mit lokalen antisemitismuskritischen Strukturen, ?ber Ausformungen, gesellschaftliche Hintergr?nde und Konsequenzen entsprechender Positionen aufkl?rt und sinnvolle Umgangsstrategien debattiert. Eine solche Besch?ftigung halten wir besonders in Anbetracht dessen f?r unverzichtbar, dass antizionistische Positionen besonderes h?ufig in migrantisch gepr?gten und ?konomisch prek?ren Kontexten verbreitet sind. Eine eindimensionale Einstufung entsprechender Personen als ?politische Feinde? und ihr Ausschluss aus der Debatte w?rde auf anderen Ebene diskriminierende Dynamiken versch?rfen und bedarf deshalb im Besonderen eines differenzierteren Umgangs.

Abschlie?end bedanken wir uns daf?r, auf die problematischen Positionen der Referentinnen hingewiesen worden zu sein. Gleichzeitig sind wir entt?uscht ?ber die unsolidarische Ver?u?erung dieser Kritik. Dies bezieht sich einerseits auf den dogmatischen Stil der Vorw?rfe in Bezug auf die Referentinnen. Andererseits wurde nicht einmal der Versuch unternommen, mit dem AStA konstruktiv ?ber die Problematik in Austausch zu treten, bzw. eine R?ckmeldung auf die formulierte Kritik abzuwarten. Dies wundert uns besonders in Anbetracht dessen, dass die Reihe grunds?tzlich unterst?tzt wird und die antisemitismuskritische Position des AStA bekannt ist. Dass nahezu unmittelbar nach Kontaktierung des AStA ein vorwurfsvolles Statement an unterschiedliche hannoversche Strukturen versendet wird, ist f?r uns kein Ausdruck einer begr??enswerten Konfliktkultur.

Hier w?nschen wir uns mehr Geduld und Ambiguit?tstoleranz, wie wir sie erfreulicherweise im Austausch mit anderen linken Strukturen in den letzten Wochen erfahren haben. So sei zuletzt noch in Bezug auf den Vorwurf, die hannoversche Linke w?rde die Pr?senz antisemitischer Referentinnen ignorieren, erwidert, dass ein Konflikt auch anders verlaufen kann als in Form ?ffentlicher Vorw?rfe und Schuldzuweisungen. So hat die F?higkeit dieser Strukturen, Widerspruch auszuhalten und produktiv auszutragen, ?ffentliche Schlammschlachten vermeiden k?nnen, was die Bedingung f?r eine fruchtbare Debatte ist, von der, in letzter Konsequenz, auch den Betroffenen diskriminierender Positionen am meisten geholfen ist.

Wir freuen uns auf eine konstruktive und spannende Veranstaltungsreihe mit Euch, in dessen Rahmen wir debattieren und kritisieren wollen ? kommt vorbei!

Identifizierung, Identit?t, Nicht-Identisches: Psychoanalytische ?berlegungen zum Identit?tsdenken auf dem Feld der Sexual- und Geschlechterpolitik

Vortrag

01.06, 19Uhr, Elchkeller

Ank?ndigung: Der Vortrag wird unterschiedliche psychoanalytische Perspektiven auf den Begriff der Identit?t und verwandte Konzepte wie Identifizierung, Ich-St?rke oder Identit?tsdiffusion vorstellen. Zentrale Bezugspunkte werden neben dem Werk Freuds ? in dem der Identit?tsbegriff (fast) gar nicht vorkommt ? der Ich-psychologische Ansatz Erik Erikson, die allgemeine Verf?hrungstheorie Jean Laplanches sowie j?ngere Diskussionen ?ber fragmentierte Identit?ten in der Postmoderne sein. Vor diesem Hintergrund wird dann skizziert, wie sich identit?re W?nsche in die Politik ?bersetzen. Exemplarisch soll dies am Identit?tsdenken auf dem Feld der Sexual- und Geschlechterpolitik veranschaulicht werden.

Aaron Lahl ist Psychologe, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der International Psychoanalytic University Berlin und Redakteur der psychoanalytischen Zeitschrift RISS. Er besch?ftigt sich vor allem mit sexualwissenschaftlichen und geschlechtertheoretischen Fragen und arbeitet zu verschiedenen Themen in den Bereichen der theoretischen Psychoanalyse, der Geschichte der Psychoanalyse und der Kritischen Theorie.

Pride

Filmabend

04.06, 20 Uhr, Kino im Sprengel

1984 macht sich eine Gruppe aus der Londoner Schwulen- und Lesbenszene in das walisische Dorf Onllwyn auf, um die streikenden Bergarbeitenden zu unterst?tzen. Schlie?lich leiden die so unterschiedlichen Gruppen beide unter der restriktiven Politik der Thatcher-Regierung und den ?bergriffen der Polizei. Die Hauptst?dter wollen ihre praktische Solidarit?t mit den streikenden Minenarbeitern bekunden, werden zun?chst jedoch nicht mit offenen Armen empfangen.

Ein Ann?herungsprozess auf Basis der geteilten Erfahrung gesellschaftlichen Leids schafft schlie?lich eine solidarische und k?mpferische Allianz.

In Kooperation mit dem Kino im Sprengel.